Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus 2022

Das Bündnis gegen Antisemitismus Kiel und die BgA Hochschulgruppe gegen Antisemitismus an der CAU Kiel beteiligen sich mit folgender Veranstaltungsreihe an den bundesweiten Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus 2022.

Eine Liste mit Unterstützern und Kooperationspartnern gibt es am Ende des Beitrags.

Die BgA-/HSG-Veranstaltungen sind als Präsenzveranstaltungen geplant. Es kann noch zu Änderungen kommen. Bitte prüfen Sie kurz vor Veranstaltungsbeginn, ob sich noch etwas geändert hat!

Weitere geplante Veranstaltungen von anderen Organisatoren zu den Bildungs- und Aktionswochen in Schleswig-Holstein (Details folgen):

Außerdem finden im Oktober und November die Kulturwochen Iran 2022 in Kiel statt, in deren Verlauf es ein paar interessante Filmvorführungen, Lesungen, Gespräche und Diskussionen geben soll.

In zeitlicher Nähe zu den Veranstaltungen liegen auch noch die folgenden:

Nun aber die Details zur Veranstaltungsreihe des BgA Kiel:


Antiaufklärerische Krisenbewältigungsideologien und Judenhass – Zum Verhältnis von Islamismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (Jan Schellbach)

Donnerstag, 13. Oktober 2022, 19 Uhr
Audimax der CAU (CAP2) – Hörsaal C
Christian-Albrechts-Platz 2, 24118 Kiel

Islamismus und Rechtsextremismus zählen zur größten Bedrohung für die Sicherheit Europas, für Demokratie, Freiheit und die pluralistisch-offene Gesellschaft. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) ist kein Randphänomen, sondern in der ,Mitte der Gesellschaft‘ existent. Antisemitismus manifestiert sich wieder offen und enttabuisiert auf deutschen Straßen. Seine ,ehrbare‘ Variante – der Antizionismus – ist mehrheitsfähig und sowohl in der politischen Rechten sowie Linken, im bürgerlichen, liberalen und konservativen Milieu weit verbreitet. Nicht allein bei Islamisten- oder Neonazi-Aufmärschen, oder bei Veranstaltungen von sogenannten besorgten Bürgern, Pandemie-Skeptikern und Verschwörungsideologen tritt Antisemitismus zum Teil codiert, aber auch ganz offen in Erscheinung. Insbesondere im Internet und in der Schule, aber auch im Feuilleton, im Sportverein oder im Kunst- und Kulturbetrieb ist Antisemitismus wieder salonfähig geworden und virulent. Alltägliche Vorurteile, Ressentiments und Diskriminierung verletzen die Würde des Menschen und Islamisten sowie Rechtsextreme begehen barbarische Terror- und Mordanschläge ,im Namen von Allah und Koran‘ oder für ,Volk und Vaterland‘.

In diesem Vortrag soll ein Begriff des Islamismus und seine Gemeinsamkeiten mit dem Rechtsextremismus skizziert werden. Der Antisemitismus ist dabei das prägnanteste pathisch-projektive und irrational-wahnhafte soziale Phänomen und soll in der Differenz zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit ebenfalls auf den Begriff gebracht werden.

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Wenn das Deutsch ist … – Verstreutes, Vages und Konkreteres zu den Tagebüchern Viktor Klemperers (Jonas Beier)

Donnerstag, 20. Oktober 2022, 19 Uhr
Audimax der CAU (CAP2) – Hörsaal C
Christian-Albrechts-Platz 2, 24118 Kiel

Der Romanist Viktor Klemperer ist vor allem für seine 1947 veröffentlichte Analyse der Sprache des Dritten Reichs bekannt, die er anhand von Tagebuchnotizen kompilierte. Selbst zum Protestantismus konvertiert und mit einer „arischen Deutschen“ verheiratet, (über)lebte Klemperer als Jude qua Abstammung bis zum Kriegsende in Deutschland und notierte ein beinahe lückenloses Tagebuch.

Jene Tagebücher zeugen über die Analyse der LTI, der „Lingua Tertii Imperii“, hinaus von einer unvergleichlich scharfen Beobachtungsgabe noch unter den ärgsten Umständen. Sie behandeln eine uneinholbare Vielfalt von Themen, die das Leben als Jude im Dritten Reich dem Autor aufnötigten. Themen, deren Diskussion auch Dekaden später den Nachgekommenen nur von Nutzen sein kann.

Der Vortrag besteht im Versuch eines absichtsvoll fragmentarischen Überblicks über einige der von Klemperer be- und verarbeiteten Themen; von der Frage der Kollektivschuld der Deutschen bis zu Widersprüchen in der Selbstwahrnehmung assimilierter Juden und Jüdinnen. Er bietet so die Möglichkeit, mit der Biographie und dem Denken Klemperers vertraut zu werden, ebenso wie den Anlass, im Anschluss über manches gemeinsam nachzudenken.

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Nazis und der Nahe Osten – Wie der islamische Antisemitismus entstand (Dr. Matthias Küntzel)

Montag, 24. Oktober 2022, 19 Uhr
CAP3 – Hörsaal 3
Christian-Albrechts-Platz 3, 24118 Kiel

Dass die Nazis zwischen 1937 und 1945 keinen Aufwand scheuten, um den Antisemitismus unter Muslimen zu schüren, ist in Deutschland kaum bekannt. Dabei ist gerade diese Facette der deutschen Vergangenheit hochaktuell. Die Begegnung des Nahen Ostens mit der Nazi-Ideologie war zwar kurz, doch sie wirkt bis heute weiter nach. Denn während der Nazi-Antisemitismus überall sonst in der Welt diskreditiert war, konnte er sich in der arabischen Welt als Weltanschauung erhalten. Erst wenn wir begreifen, wie stark die moderne Nahostgeschichte von den Nachwirkungen des Nationalsozialismus geprägt ist, werden wir den Judenhass in dieser Region und dessen Echo unter Muslimen in Europa richtig deuten und adäquate Gegenmaßnahmen entwickeln können. 1937 kam eine neue Form von Judenhass in die Welt: der islamische Antisemitismus. Die Nationalsozialisten taten alles, um diese neue Hassbotschaft mithilfe ihrer arabischsprachigen Radiopropaganda zu verankern. In seinem neuen Buch „Nazis und der Nahe Osten. Wie der islamische Antisemitismus entstand“ beleuchtet unser Redner dieses bislang kaum bekannte Kapitel deutscher Vergangenheit und zeigt auf Basis neuer Archivfunde, wie sich das Judenbild im Islam zwischen 1937 und 1948 unter dem Einfluss dieser Propaganda und sonstiger Nazi-Aktivitäten veränderte. Der neue Blick auf die Nahostgeschichte ermöglicht eine präzisere Beurteilung der Gegenwart. Was genau ist „islamischer Antisemitismus“? Wie tritt er gegenwärtig in Erscheinung? Und was macht ihn besonders gefährlich?

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Phantastische Gesellschaft – Gespräche über falsche und imaginierte Familiengeschichten zur NS-Verfolgung (Clemens Böckmann, Dr. Johannes Spohr)

Donnerstag, 27. Oktober 2022, 19 Uhr
Alte Meierei
Hornheimerweg 2, 24113 Kiel

Immer wieder werden in der Öffentlichkeit Fälschungen, Betrugsfälle und imaginierte Geschichten diskutiert, die im Zusammenhang mit der Shoah und dem Zweiten Weltkrieg wie auch der Erinnerung daran stehen. Meist inszenieren sich dabei christliche Deutsche öffentlich mit Familiengeschichten jüdischer Verfolgter und führen diese teils als Legitimation und Grundlage ihres politischen Handelns an. Ihnen begegnet ein Publikum, das die Geschichten bereitwillig rezipiert.

In neun Gesprächen mit Personen unterschiedlicher Expertisen und Erfahrungen fragen Clemens Böckmann und Johannes Spohr nach den Voraussetzungen und Motivationen dieses Phänomens. Woher kommt das Bedürfnis, sich auf diese Weise mit den Opfern der Shoah zu identifizieren? Welche Rollen werden Opfern und Täter*innen gesellschaftlich zugewiesen? Sind dies die Auswirkungen und Folgen der ‚Erinnerungsweltmeisterschaft‘? Was bedeutet dies für den Umgang mit Zeitzeugenschaft? Wo liegen Grenzen einer faktenbasierten Erzählung, wo beginnt die Fiktion?

Die Vielfältigkeit der Ansätze, die zur Einordnung des Phänomens und der damit einhergehenden Fragen beitragen, drückt sich in der Diversität der Gesprächspartner*innen aus. Neben der Geschichtswissenschaft stammen diese unter anderem aus den Bereichen des Journalismus und der Medizin (Psychiatrie) wie auch der Literaturwissenschaft und Jüdischen Studien. Der Band schließt mit einem Essay, in dem die Herausgeber auf Grundlage der Gespräche Rückschlüsse auf das Täter-Opfer-Verhältnis im postnazistischen Deutschland ziehen und die Differenz von opferzentrierter und opferidentifizierender Erinnerung diskutieren.

Der Umgang mit dem Erbe des Nationalsozialismus bleibt auch im 21. Jahrhundert eine gesellschaftliche Herausforderung. Falsche oder imaginierte Geschichten – Karikaturen der gesellschaftlichen Mehrheit – eröffnen dabei einen Blick auf das Verhältnis der Gesellschaften im deutschsprachigen Raum zur NS-Vergangenheit.

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Terror aus Teheran – Antisemitismus, Angriffe gegen Israel, Menschenrechtsverbrechen und die atomare Bedrohung (Dr. Ulrike Becker)

Donnerstag, 3. November 2022, 19 Uhr
Audimax der CAU (CAP2) – Hörsaal C
Christian-Albrechts-Platz 2, 24118 Kiel

Internationale Beobachter:innen fürchten, dass der Iran bald über Atomwaffen verfügen wird. Ein atomar bewaffneter Iran wäre ein Alptraum, nicht nur für Israel, sondern für die ganze Welt. Denn es ist die Mischung aus einer islamistisch-antisemitischen Ideologie und dem Bau von Atomwaffen, die das System der Islamischen Republik Iran so gefährlich macht. Mit was für einem Regime haben wir es im Iran zu tun und welche Rolle spielen dabei die antisemitische Ideologie und die Drohungen gegen Israel? Wieso kommt es immer wieder zu schwersten Menschenrechtsverbrechen und welche Rolle spielen Frauen in der Protestbewegung? Der Vortrag diskutiert die Bedrohungen durch die Islamische Republik Iran und geht auch auf die Frage ein, wie die Bundesregierung angesichts dieser Entwicklungen reagieren sollte. Die Referentin Ulrike Becker ist Historikerin und verantwortlich für den Bereich Forschung beim Mideast Freedom Forum Berlin (MFFB), einer NGO für politische Bildung und Beratung.

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Antisemitismus und Anthroposophie – mehr als Verschwörungstheorie(n) (Ann-Kathrin Hoffmann)

Montag, 7. November 2022, 19 Uhr
Audimax der CAU (CAP2) – Hörsaal C
Christian-Albrechts-Platz 2, 24118 Kiel

Reichsbürger an Waldorfschulen, Anthroposophen auf „Querdenken“-Demonstrationen: Immer wieder machen anthroposophische Akteure und Einrichtungen Schlagzeilen, die Rudolf Steiner und die Anhänger seiner esoterischen Weltanschauung mit Verschwörungstheorien in Verbindung bringen und die Verbände dazu drängen, sich zu positionieren, gar sich zu distanzieren. Der Vortrag stellt heraus, warum der Antisemitismus in der Anthroposophie mehr ist als der Hang zu Verschwörungstheorien, skizziert den Umgang anthroposophischer Verbände mit antisemitischen Äußerungen ihres Gründers und gegenwärtiger Kritik daran und lädt zur Diskussion darüber ein, was all dies für die (außer-)schulische Bildungsarbeit heute bedeutet.

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Essex School Diskurstheorie, Podemos und der radikaldemokratische Hass auf vaterlandslose Finanzkapitalisten (Johannes Meyer-Bohe)

Donnerstag, 10. November 2022, 19 Uhr
Audimax der CAU (CAP2) – Hörsaal F
Christian-Albrechts-Platz 2, 24118 Kiel

Der Schulterschluss zwischen einer sprachbasierten Gesellschaftstheorie konkurrierender Identitätskonstruktionen und den aktuellen antikapitalistischen Rufen nach Vereinigung einer authentischen, intuitiven Masse gegen eine zynische Elitenminderheit ist dort am innigsten, wo die gemeinsame Faszination an jeder Entfesselung verdrängter politischer Kräfte deutlich wird. Die anvisierte Hybris wiederholt auf der akademischen Seite dieser Allianz ihre Forderung nach allgemeiner Anerkennung der Ambivalenz zwischen Unabgrenzbarkeit und Polarität, welche sich als politischer Handlungsaufruf versteht und gleichzeitig einen unscharfen Imperativ der Einsicht in Notwendigkeit der Gewaltfreiheit zu implizieren versucht. Und andererseits gedeiht auf der zur Tat schreitenden Seite des bewegten antibürgerlichen Kollektivs keine andere logische Konsequenz, als dass das Ausmerzen der Statthalter der Sonnenseite des Herrschaftsverhältnisses letztendlich und durch alle Demokratisierung und Aufklärung zur Grundlosigkeit hindurch weiterhin die Lösung und die Überwindung dieses Verhältnisses selbst darstellt.

Die sich selbst gleichbleibenden Verweise der postmodernen Akademie auf die Verunreinigung aller Kritik mit dem Inhalt des Gegenstandes ihrer Kritik führt zu einer eindrucksvollen Gleichgültigkeit gegenüber jeglichen qualitativen Unterschieden praktischer Phänomene und Gedankenwelten.

Die anti-essenzielle Theorie soll die politisierte Menschheit fortschreitend an die Einsicht in die Bedingungen der herrschaftsförmigen Realität binden, obwohl deren Verliererseite längst bewiesen hat, dass sie dieser Realität durch ihre Straf- und Opferbereitschaft hindurch, letztlich in ihren (Selbst-)Vernichtungswünschen und deren Umsetzung selbstredend etwas entgegenzusetzen hat und stets aufs Neue ahnt, dass sie ihr dort entkommen kann.

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Die Israel-Boykottbewegung – Alter Hass in neuem Gewand (Alex Feuerherdt)

Donnerstag, 17. November 2022, 19 Uhr
Audimax der CAU (CAP2) – Hörsaal C
Christian-Albrechts-Platz 2, 24118 Kiel

Israel ist nicht nur immer wieder terroristischen Angriffen durch islamistische Organisationen wie die Hamas und die Hisbollah ausgesetzt, sondern wird zunehmend auch mit politischen Kampagnen zu seiner Dämonisierung und Delegitimierung konfrontiert. So fordert vor allem die nicht nur in den palästinensischen Gebieten, sondern auch in vielen anderen Ländern tätige BDS-Bewegung (BDS steht für „Boycott, Divestment, Sanctions“) einen umfassenden Boykott und eine Isolation des jüdischen Staates sowie Kapitalabzug, Embargos und Zwangsmaßnahmen – auf wirtschaftlichem, politischem, akademischem und kulturellem Gebiet. Sie gibt dabei vor, für die Menschenrechte einzutreten, doch die weitaus meisten ihrer Aktivisten befürworten keine Zweistaatenlösung, sondern negieren das Existenzrecht Israels.

Die Bewegung ist gut vernetzt und verfügt über Einfluss, der bis in wichtige Nichtregierungs- und Menschenrechtsorganisationen sowie in Gremien der Vereinten Nationen hineinreicht. In der Öffentlichkeit und den Hochschulen sind sie ebenfalls sehr präsent, vor allem in Großbritannien und den USA. Immer wieder stören BDS-Aktivisten massiv Veranstaltungen mit israelischen Wissenschaftlern, Politikern und Künstlern. Auch im kulturellen Bereich hat BDS viele Unterstützer und Sympathisanten. Der Deutsche Bundestag sowie mehrere deutsche Städte und Parteien haben in den vergangenen Jahren Beschlüsse verabschiedet, in denen die BDS-Bewegung als antisemitisch eingestuft wird und ihre Aktivitäten klar abgelehnt werden.

In seinem Vortrag wird Alex Feuerherdt die Entstehung, die Hintergründe und die Auswirkungen dieser Boykott- und Delegitimierungskampagnen analysieren, einen Überblick über ihre Akteure geben und sich mit der Ideologie und Praxis der Israel-Boykottbewegung auseinandersetzen. Zudem wird er begründen, warum diese Bewegung den Palästinensern mehr schadet als nutzt und weshalb es ihr ohnehin nicht um das Wohl der Palästinenser geht, sondern vor allem darum, Israel zu schaden.

Alex Feuerherdt ist freier Publizist und lebt in Köln. Er arbeitet schwerpunktmäßig zu den Themen Israel, Nahost, Antisemitismus und Fußball und schreibt regelmäßig unter anderem für die Jüdische Allgemeine, n-tv.de, die Jungle World und das Portal MENA-Watch. Außerdem ist er der Betreiber des Blogs Lizas Welt. Gemeinsam mit Florian Markl hat Feuerherdt ein Buch zum Thema geschrieben, das im November 2020 im Verlag Hentrich & Hentrich erschienen ist: Die Israel-Boykottbewegung – Alter Hass in neuem Gewand.

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